Schutz
vor hochfrequenten elektromagnetischen Strahlen durch Gründächer
und Lehmgewölbe
-
Untersuchung belegt Schutz vor
hochfrequenten elektromagnetischen Strahlen.
Kassel. Begrünte
Dächer und Lehmbauten bieten einen effektiven Schutz
gegen elektromagnetische Wellen, wie sie etwa von
Mobilfunksendeanlagen ausgehen. Zu diesem Ergebnis kommen
neue Messungen, die im Auftrag des Forschungslabors für
Experimentelles Bauen der Universität Gesamthochschule
Kassel (GhK) am Institut für Hochfrequenz-, Mikrowellen-
und Radartechnik der Universität der Bundeswehr, München,
durchgeführt wurden. Fast zu hundert Prozent werden so
die von vielen Menschen gefürchteten Strahlen
ferngehalten.
- Prof. Dr.-Ing. Gernot Minke, der das
Kasseler Forschungslabor für Experimentelles Bauen
leitet und ein international ausgewiesener Fachmann für
Lehmbauten und experimentelles Bauen ist, sieht sich in
seinem Forschungsansatz, den "alten" Baustoff
Lehm für moderne Bauten zu nutzen, bestätigt. Schließlich
böten Lehmbauten nicht nur ein ideales Innenraumklima
und reduzierten mit anderen ökologisch sinnvollen
Bauelementen den Energieeinsatz. Jetzt sei zudem belegt,
dass die von vielen Menschen gefürchteten, von
Mobilfunksendeanlagen ausgehenden elektromagnetischen
Wellen durch Lehmbauten und Grasdächer abgehalten würden.
"Die Gesundheitsgefährdung durch elektromagnetische
Wellen beschäftigt immer mehr Behörden und Gerichte. So
wurde beispielsweise vom Amtsgericht Freiburg der Betrieb
einer von der Telekom geplanten Mobilfunksendeanlage auf
einem Haus verboten Das Gericht sah in der Basisstation
"eine akute Gesundheitsgefährdung des Mieters",
der fünf Meter von der Anlage entfernt wohnt", wie
Minke aus einem Zeitungsbericht zitiert 1).
-
- Alle, die
sich gegen hochfrequente Strahlungen von außen
abschirmen wollen, sind unter einem Lehmtonnengewölbe
mit Grasdach ideal aufgehoben, so Minke weiter. Die
Untersuchungen der Strahlungswirkungen bei Lehmbau und Gründach
im Münchner Institut für Hochfrequenztechnik der
Bundeswehr-Hochschule 2) habe eine fast hundertprozentige
Abschirmung nach innen belegt.
- Die
Untersuchungsergebnisse im Einzelnen:
-
- Gründächer
mit 15 cm Leichtsubstrat haben für die
Frequenzbereiche von 1,8 bis 1,9 GHz des
Mobilfunk-E-Netzes und der schnurlosen DECT-Telefone
eine Strahlungsdämpfung von ca. 22 dB = 99,4 %
ergeben. Lehmgewölbe mit Grasdachabdeckung
ergeben sogar ca. 49 dB = 99,999 %.
-
- Für
die UMTS-Frequenzen der zukünftigen
Mobilfunkgeneration ab 2002, die im
Frequenzbereich von 1,92 bis 2,17 GHz liegen,
ergibt sich eine noch etwas bessere Abschirmung.
Für Richtfunkwellen im 4 GHz-Bereich ergeben
sich dafür sogar 60 dB = 99,9999 % Abschirmung.
-
- Zum
Vergleich: Bei konventionellen Baustoffen, etwa
einem üblichen Ziegeldach, beträgt die
Abschirmung lt. Messungen von Pauli und Moldan (2)
in den Frequenzbereichen von E-Netz und UMTS nur
etwa 3 dB, also rund 50 Prozent.
- "Wer
sich also gegen hochfrequente Strahlungen von außen schützen
will, ist unter einem Lehmtonnengewölbe mit
Grasdachabdeckung ideal abgeschirmt", wie Prof.
Minke weiter erläutert. Dabei sollte aber darauf
geachtet werden, dass keine Türöffnungen zu bestehenden
Basisstationen hin ausgerichtet sind oder dass diese Türen
eine metallische Beschichtung oder eine metallische
Fliegengitterdoppeltür aufweisen. Ferner sollte die
innere Schale der Außenwände aus einer 24 cm dicken
Schicht aus Lehmsteinen oder Blähtonleichtlehm mit einer
Rohdichte von mindestens 800 kg/m³ bestehen. Wie die
Messergebnisse zeigen, haben gleich dicke Schichten aus
Kalk-Sandstein und Hochlochziegeln im Verhältnis zu
Lehmsteinen eine wesentlich schlechtere Abschirmwirkung.
-
- Für
Handwerker und Bauherren verweist Minke darauf, dass bei
Fensteröffnungen die nur geringe Abschirmwirkung von
einfachen Isolierverglasungen und Holzrahmen beachtet
werden müsse. Eine Abschirmung von ca. 30 dB = 99,9 % lässt
sich aber mit einer modernen Wärmedämmverglasung
aufgrund deren Edelmetallbedampfung erreichen. Noch
bessere Werte werden mit 3-Scheiben-Verglasungen und mit
metallischem Fliegengitter mit 1 x 1mm Maschen erreicht.
Ein Reflektor-Sonnenrollo für Dachflächenfenster
brachte sogar in allen Frequenzbereichen nahezu konstante
Abschirmwerte von 37 dB = 99,98 % . Sollen auch die
Fensterrahmen abschirmen, so sind Holz-Aluminium-Verbundrahmen
empfehlenswert.
- Doch wer sein
Haus ausreichend gegen hochfrequente Strahlen von außen
abgeschirmt hat, so GhK-Professor Gernot Minke weiter,
sollte sich aber im Innern nicht den hochfrequenten
Wellen eines schnurlosen DECT-Telefons aussetzen. Auch
dazu hätten die Münchner Untersuchungen deutliche
Ergebnisse erbracht: Da die DECT-Basisstation dauernd
gepulste Strahlung aussendet, könne diese eine
erhebliche gesundheitliche Belastung darstellen. Ist eine
solche Station im Haus installiert, so sollte sie in
einem möglichst großen Abstand zu Schlaf- und Arbeitsplätzen
stehen, oder diese Plätze sollten durch eine Lehmwand
abgeschirmt sein. Noch besser sei, sich ein schnurloses
Telefon mit dem nicht schädlichen analogen CT1+-Standard
anzuschaffen, das heute aber kaum noch zu finden ist.
- p./uh
-
- 1) Bericht
der Badische Zeitung, Freiburg, vom 22.12.00
2) Pauli, P.; Moldan, D.: Reduzierung hochfrequenter
Strahlung im Bauwesen, Eigenverlag 2000. Am Henkelsee 13,
97346 Iphofen
- Kontakt und
Information:
Universität Gesamthochschule Kassel
Fachbereich Architektur
Prof. Dr.-Ing. Gernot Minke
Fachgebiet Tragkonstruktion und Experimentelles Bauen/
Forschungslabor für Experimentelles Bauen
34109 Kassel
Tel.: (0561) 804-5316, Fax: -5428
E-Mail:
minke@architektur.uni-kassel.de
-
Pressemitteilung der Universität
Gesamthochschule Kassel vom 5. Juni 2001